Engel der Kulturen – Europäisches Kunstprojekt zur Förderung des interkulturellen/interreligiösen Dialogs

Die christlichen Kirchen in Calbe (Saale) beteiligten sich im April 2018 am Kunstprojekt „Engel der Kulturen“. Dieses, von den Burscheider Künstlern Gregor Merten und Carmen Dietrich initiierte Projekt fördert seit 2008 durch Aktionen im öffentlichen Raum die interkulturelle und interreligiöse Begegnung und erweitert den von verschiedenen Gruppen geführten Dialog um eine sinnlich erlebbare Komponente.

In Calbe wurde diese Aktion von den drei christlichen Gemeinden der Stadt, der evangelischen, der katholischen und der neuapostolischen Gemeinde organisiert und vom Verein „Demokratie Leben!“ sowie dem evangelischen Kirchenkreis Egeln unterstützt.

  • Im ersten Teil der Aktion wurde eine 1,50 Meter große Skulptur in Form eines Stahlhohlkörpers zu verschieden Orten der Stadt gerollt – in diesem Fall die Katholische Kirche, das Schiller-Gymnasium und die Neuapostolische Kirche. An den jeweiligen Orten, wurden temporäre Bilder eines Engels der Kulturen mit Hilfe des auf den Boden gelegten Stahlringes und weißem Quarzsand, welcher in die Mitte des Ringes gefüllt und festgedrückt wird, erzeugt.
  • Im zweiten Teil wird eine vorbereitete Bodenintarsie, bestehend aus einem zwei Zentimeter dicken Stahlring, der mit blauem Spezialbeton ausgegossen wird, dauerhaft in den Boden eingelassen. In Calbe geschah dies vor der evangelischen Kirche Sankt Stephani.
  • Unmittelbar danach folgt der dritte Teil der Aktion. Mit einem Schneidbrenner wird das gleiche Zeichen für die nächste Stadt hergestellt. Mit einem Vorschlaghammer werden die Teile nach dem Ausbrennen voneinander getrennt. Danach wird der Ring im Atelier der Künstler mit blauem Beton ausgegossen und für die nächste Stadt vorbereitet. Der in Calbe hergestellt Ring geht in die Stadt Lüdenscheid (Nordrhein-Westfalen). Der Ring, der in Calbe verlegt wurde stammt aus der Stadt Breisach im Breisgau. So werden die teilnehmenden Städte symbolisch miteinander verbunden.

Auch der beim Ausbrennen des Zeichens entstandene Engel findet seine Bestimmung. Er wird am Rand mit Ort und Datum der Aktion versehen und mit den anderen Engeln aus allen Städten, die sich bisher beteiligt haben und noch beteiligen aufgeschichtet und später in Jerusalem auf einem zentralen Platz als Säule aufgestellt. So tragen alle Städte einander und zeigen ihren Wunsch nach einem friedlichen und respektvollen Miteinander.

Dank des Künstlerpaares Merten und Dietrich werden besonders Kinder und Jugendliche in die Aktion einbezogen, sei es beim Rollen des Stahlhohlkörpers, beim Herstellen der temporären Engel, beim Ausbrennen der Intarsie für die nächste Stadt oder bei gemalten und vorgetragenen Beiträgen. Die Kinder und Jugendlichen setzen sich aktiv mit den verschiedenen Gemeinschaften und Gruppen in ihrer Stadt auseinander.

Das Kunstobjekt selbst hat die Form eines Kreises, welcher die Welt und gleichzeitig als Rad den Lauf der Zeit symbolisiert. In diesem Kreis sind ein Halbmond, ein Stern und ein Kreuz (symbolisch stehend für den Islam, das Judentum und das Christentum) integriert. Dadurch zeichnet sich in der Mitte des Ringes ein Engel ab. Die Absicht und Interpretation der Künstlerin: „Aus diesem Kreis ist keine Gruppe herauszulösen, ohne dass alle anderen erkennbar mitbeschädigt würden“.